Alpaka-Infos


Das Jahr 2018 war sehr heiß und trocken, unsere beiden kleinen Ponys standen meist nur noch im Paddock bei Heu und Stroh, die Weiden waren braun vertrocknet und reichten nicht mehr aus.

Überdies zeigten unsere zu groß gewordenen Kids samt deren Cousinen schon länger nur noch wenig Interesse an den Tieren, letztere waren oft gelangweilt. Zeit, dies zu ändern. Wir gaben die beiden im Frühling 2019 in sehr gute Hände ab (Familie mit kleinen Kindern und großen Pferden, viel Weidefläche und einem Reitplatz direkt vorm Wohnhaus). Und dann machten wir einen alten Traum wahr:

Endlich ließen wir Alpakas bei uns einziehen, die sich nun anstatt der Ponys des Rasens annehmen können.


Warum gerade Alpakas?

Aus mehreren Gründen. Erstmal die praktischen:

- Alpakas wiegen weniger, fressen weniger, sind als Bewohner wüstenartiger Gegenden insgesamt genügsamer, als Pferde. Unsere Weidefläche reicht nun wieder aus (wir haben sogar Weidefläche abgegeben an erfreute Pferdebesitzer). Klimawandel lässt grüßen.

- Alpakas werden 1x im Jahr geschoren. Die Wolle ist die wertvollste überhaupt, man kann sie sogar verfilzen (wir sind begeisterte Filzer), warme Deckenfüllungen daraus machen lassen und sie in Seifen verarbeiten (daran arbeiten wir noch).

- Alpakas sind Schwielengänger, sie haben sozusagen 4 weiche Füße mit jew. 2 Krallen. Das schont die Weiden ungemein. Auch, weil sie das Gras abbeißen, statt es samt der Wurzel herauszureißen (wie z.B. Schafe, schlimme Bodenerosion kann bei Überweidung die Folge sein). Sie sind also beste Landschaftspfleger.

- Alpakas sind sehr reinlich. Sie "perzeln" nicht in ihren Stall (solange sie aus diesem ins Freie gelangen können), perzeln stets auf die gleiche Stelle. Wirklich seeeeehr praktisch für uns "Perzelwegmacher".

 

Nun zu den unpragmatischen, "unvernünftigen" Gründen, die von Herzen kommen:

- Alpakas sind einfach wundervolle Tiere. Nicht nur, weil sie knuddelig-kuschelig sind. Nicht umsonst werden sie als Therapietiere bei psychisch Kranken eingesetzt oder zu Besuchen in Kindergärten, Altersheimen. Therapeutisch sind sie gleichzusetzen mit einer Delfintherapie: sie vermitteln mit ihrem wundervollen Gesumme (das ist ihre Sprache) Urvertrauen. Man kommt wunderbar runter, wenn man ihnen zuhört und ihre sanfte Art genießt. Die Tiere spüren, wenn einem etwas fehlt, und verhalten sich dann mitunter entsprechend. Es gibt da ganz tolle Geschichten. Schon so manchem Altenpfleger kamen gerührte Tränen, als das Alpaka zum Krankenbett ging und den Kopf auf einen bettlägrigen Menschen legte. Neuer Lebensmut wird dadurch geschenkt, nicht selten sind die Betroffenen nach einer solchen Begegnung wieder viel wacher und beteiligen sich wieder reger am Leben. Am krassesten bei autistischen Personen zu beobachten, zu ihnen (zu Kindern generell) haben Alpakas einen ganz besonderen Draht (ähnlich wie Delfine).

- Man kann mit Alpakas wandern gehen :)


Wilde Vikunjas auf dem Altiplano im Jahr 2000
Wilde Vikunjas auf dem Altiplano im Jahr 2000

Die Alpaka-Infektion:

Im Jahr 2000 stieß ich während eines mehrwöchigen Aufenthaltes auf dem Altiplano in Chile, Bolivien und Peru auf die freien, wilden Vorfahren der Alpakas, die Vikunjas. Sie beeindruckten mich damals sehr. Ihre schlanke, scheue Schönheit, ihr rötliches Fell. Doch im Laufe der Jahrtausende hatten die Eingeborenen aus ihnen Alpakas gezogen, Vikunja-Versionen in allen mögl. Fellfarben, mit fast genauso feinem, doch viel mehr Fell. Alpakas werden in großen Herden gehalten und sind ein sehr wertvoller Familien-Besitz. - Ich sah sie und war sofort in sie verliebt. - Während die Vikunjas nur den Königen gehörten, Vikunja-Flies ausschließlich in königlicher Kleidung verarbeitet wurde, gehörten die Alpakas dem einfachen Volk. Dabei ist man in Südamerika neben ihrem Fell bis heute auch an ihrem schmackhaften Fleisch interessiert.

Nach Deutschland wurden Alpakas erstmals um die 1980-er Jahre eingeführt. Als sog. Neuweltkameliden. Im Laufe der Jahrzehnte etablierten sie sich allmählich als wertvolle Nutztiere, immer mehr Züchter interessierten sich für sie. Anfangs wurden sie erst einmal nur zur Fellproduktion genutzt (im Gegensatz zu Schafwolle kratzt Alpakawolle nicht, ist viel feiner und hält wärmer), zunehmend dann auch als Hobbytiere zum Wandern und in der Therapie.

Seit meiner Alpaka-Infektion damals habe ich meine Familie immer mal wieder zum Besuch einer Alpaka-Farm überreden können. Die Infektion übertrug sich zunehmend auf die Familie. Uns haben es dabei v.a. die sog. teddyartigen Huakaya-Alpakas angetan, neben den eher Lama-ähnlichen Suri-Alpakas (Suris haben noch feineres, sehr langes Fell, sind sehr sensible Tiere und somit sehr gut zur Therapie und Wollproduktion geeignet) die niedlichere Alpaka-Art. Als die Abgabe unserer Ponys immer wahrscheinlicher wurde, absolvierte ich einen Grundkurs in der Alpaka-Haltung. Und schließlich kam der große Tag :)


Lama auf dem Altiplano im Jahr 2000
Lama auf dem Altiplano im Jahr 2000

Unterschied Alpaka und Lama:

Alpakas stammen vom Vikunja ab, Lamas vom Guanako.

Alpakas sind kleiner und zierlicher als Lamas, haben kürzere Gesichter, Ohren und Hälse, haben mehr und feineres Fell. Lamas sind größer und kräftiger, werden daher auch als Lasttiere eingesetzt in unwegsamen Berggegenden Südamerikas. Alpakas müssen 1x jährlich geschoren werden, Lamas etwa nur alle 2 Jahre.

 

Ja, Alpakas und Lamas können spucken. Doch nicht absichtlich auf den Menschen. Nur, wenn dieser zufällig im Wege steht. Sie spucken in Gefahr oder aus Empörung/ Dominanzverhalten (v.a. beim Füttern aus der Hand aus Futterneid gegenüber anderen Kameliden-Kumpeln).

Unsere beiden Alpakas Robert und Rosario haben trotz Leckerli-Gabe aus der Hand noch nie gespuckt.


Wie ist das mit Kuscheln, Streicheln, Füttern unserer beiden Alpakas?

Alpakas sind scheue Tiere, sie würden nie aufdringlich werden/ zu nahe kommen. Robert und Rosario sind zutraulich. Sie kommen neugierig an den Zaun, wenn jemand zu sehen ist, und man kann mit ihnen näseln :) - Am liebsten bekommen sie ein Leckerli aus der flachen Hand (bitte nur mit unserem Einverständnis. Wenn, dann nur kleingeschnittene Möhrenstückchen. Alpakas neigen zur sog. "Schlundverstopfung", wenn sie zuviel und zu große Stücken aus der Hand gefüttert bekommen).

Streicheln lassen sie sich nur, wenn sie angeleint sind, sonst würden sie erschrocken weglaufen.

Es ist ein bes. Erlebnis, ihr Gesumme mitzuerleben. Das chillt ungemein :) - Bei Gelegenheit gehen wir mit den Alpakas spazieren. Unsere Feriengäste können sich herzlich gerne mit uns dazu verabreden. 

Bitte nicht das Alpaka-Gehege oder eine der Weiden ohne unser Wissen betreten, um zu den Tieren zu gelangen. Sie könnten sich belästigt fühlen oder auch ausreißen aus dem Gehege, wenn dieses nicht wieder sachgemäß verschlossen wird. Dankeschön.


Saalpaka Robert
Saalpaka Robert

Alpakas liiiiiiiieben es, zu baden. Oder wenigstens, ihre Füße ins Wasser zu stellen. Selbst Saufnäpfe müssen dafür notfalls herhalten.

Unsere Alpakas sind ganz verrückt darauf, in der Saale zu planschen. So kriegten sie ihren Spitznamen "Saalpakas" weg ;)

Auf unseren Alpakawanderungen ist ein Bade-Stopp an der Saale ein Muss.


Der aufmerksame Alpaka-Beobachter wird schnell das "komische" Gebiss der Tiere bemerken. Alpakas haben im Unterkiefer Zähne, der Oberkiefer ist als zahnlose Kauplatte ausgebildet, auf der die Nahrung zerrieben wird.

 

Alpakas fressen hauptsächlich Gras und Heu. Und sie brauchen Mineralien und Vitamine (in einem Mineralfutter-Gemisch). Zur Kräftigung (tragende und säugende Muttertiere, Jungtiere) sind eiweißreiche Gräser (Luzerne) ideal (oder "Fohlenstarter" als eiweißreiche Pellet-Leckerli-Gabe).

 

Alpakas sind Wiederkäuer.